Girocard
- Kunden- Akzeptanz
- Sehr
hoch - Kosten (Händler)
- Gering
bis
mittel - Checkout Tempo
- Hoch
- Ausfallrisiko
- Keins
- Conversion-Effekt
- Neural
- Eignung hohe Warenkörbe
- Mittel
- Integrations-Aufwand
- Gering
Der deutsche Zahlungsmarkt verändert sich schneller als in den Jahren zuvor. Laut EHI Retail Institute ist die Girocard zwar weiterhin die umsatzstärkste Kartenart im stationären Handel, doch mobile Wallets wie Apple Pay und Google Pay wachsen zweistellig1.
Gleichzeitig zeigt die Statista-Erhebung 2024, dass Bargeld im stationären Geschäft relevant bleibt, Kunden aber zunehmend offen für digitale Verfahren sind. Für Unternehmen ab 20 Mio. Euro Umsatz in Branchen wie Möbel, Consumer Electronics oder Sport bedeutet das: Ein statischer Payment-Mix kostet Umsatz2.
Wer heute Checkout-Abbrüche analysiert, stößt fast immer auf fehlende oder schlecht integrierte Zahlungsoptionen als Ursache. NielsenIQ bestätigt im Europa-Report 2024/2025, dass Konsumenten ihre Erwartungen an Bezahlkomfort kanalübergreifend angleichen. Ein Kunde, der im Onlineshop per Ratenkauf bestellt, erwartet am Point of Sale (PoS) eine vergleichbare Flexibilität. Wer diese Lücke schließt, reduziert Abbrüche. Wer sie ignoriert, verliert Warenkörbe an Wettbewerber mit breiterem Angebot.
Ein kurzer Überblick über die relevanten Payment-Modelle im deutschen Handel:
Klassische Verfahren
Barzahlung, Girocard, Kreditkarte (Visa, Mastercard), Lastschrift, Rechnungskauf. Diese bilden das Fundament, besonders am PoS und im Direktvertrieb.
Digitale und moderne Verfahren
Mobile Wallets (Apple Pay, Google Pay), Buy Now, Pay Later (BNPL) – also Ratenkauf-Anbieter wie easyCredit, Klarna oder PayPal –, Instant Payments und Account-to-Account-Zahlungen (A2A).
Drei Entwicklungen verdienen besondere Aufmerksamkeit für Payment-Strategien im Jahr 2026:
Allerdings sind sie beim Endkunden noch kein Massenphänomen.
Ein oft unterschätzter Faktor ist die Tokenisierung: Sensible Kartendaten werden durch einmalige Platzhalter ersetzt. Das reduziert das Risiko von Datenmissbrauch und unterstützt stabile, sichere Zahlungsprozesse im Tagesgeschäft.
Für unseren Report haben wir uns sieben Parameter genauer angesehen, da sie direkt auf operative KPIs im E-Commerce einzahlen:
| Kriterium | Girocard |
Kredit- Karte |
Last- Schrift |
Rechnung | Wallet | A2A | BNPL |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
Kunden-
Akzeptanz |
Sehr hoch |
Hoch | Mittel |
Sehr hoch |
Wachsend | Gering | hoch |
|
Kosten (Händler) |
Gering bis mittel |
Hoch | Gering |
Hoch |
Mittel bis hoch |
Gering bis mittel |
Mittel bis hoch |
|
Checkout Tempo |
Hoch | Hoch | Gering | Gering | Hoch | Hoch | Hoch |
| Ausfallrisiko | Keins |
Gering Charge- backs |
Hoch |
Sehr hoch (im Eigen- Bertrieb) |
Gering | Keins |
Keins bei Forderungs- Abtretung |
|
Conversion- Effekt |
Neural | Positiv | Negativ |
Sehr positiv |
Positiv | Neural |
Sehr positiv |
|
Eignung hohe Warenkörbe |
Mittel | Hoch | Mittel | Mittel | Mittel | Hoch |
Sehr hoch |
|
Integrations- Aufwand |
Gering | Mittel | Gering | Mittel | Mittel | Hoch | Mittel |
Kein Zahlungsmodell erfüllt alle Anforderungen gleichzeitig. Während Barzahlung und Girocard durch hohe Akzeptanz überzeugen, zeigen sich ihre Grenzen bei Warenkorbhöhe und Conversion. Kreditkarten und Wallets bringen Geschwindigkeit und Komfort, gehen jedoch mit höheren Kosten einher.
Besonders relevant für viele Händler ist der Blick auf Rechnung und BNPL: Beide wirken sich positiv auf die Conversion aus. Der Unterschied liegt im Risiko: Während der Kauf auf Rechnung mit einem erhöhten Ausfallrisiko verbunden sein kann, erlaubt BNPL – insbesondere bei entsprechender Absicherung und Forderungsabtretung –, Conversion-Potenziale zu nutzen und gleichzeitig das Risiko deutlich zu reduzieren.
A2A-Zahlungen wiederum eröffnen eine interessante Kostenperspektive, bleiben aktuell jedoch in der Kundenakzeptanz noch hinter etablierten Verfahren zurück.
Die folgende Tabelle zeigt ein klares Muster: Klassische Zahlarten wie Girocard und Bargeld punkten mit hoher Verbreitung am PoS. Für einen Sportfachhändler mit durchschnittlichen Warenkörben unter 50 EUR ist die Girocard effizient und ausreichend. Doch sobald der durchschnittliche Warenkorb steigt – etwa bei Möbeln, Musikinstrumenten oder Consumer Electronics mit Beträgen jenseits von 500 EUR –, verschieben sich die Prioritäten.
| Warenkorbsegment | Empfohlener Payment-Mix | Priorität |
|---|---|---|
| Unter 50 EUR | Girocard, Bargeld | Breite Akzeptanz |
| 50 – 100 EUR | Girocard, Wallets, Kreditkarte | Geschwindigkeit |
| 100 – 200 EUR | Girocard, Wallets, Kreditkarte, Rechnung | Flexibilität |
| Ab 200 EUR | BNPL (Ratenkauf), Kreditkarte, Wallets | Conversion-Optimierung |
| Ab 500 EUR | BNPL (Ratenkauf), Kreditkarte, A2A | Warenkorbhöhe maximieren |
Hier zeigt BNPL erneut seine Stärke: Der Conversion-Effekt ist sehr positiv, die Eignung für hohe Warenkörbe ebenfalls. Gleichzeitig liegt das Ausfallrisiko bei Forderungsabtretung beim Anbieter, nicht beim Händler.
Ein konkretes Beispiel: Ein Onlineshop für Gartenmöbel mit einem durchschnittlichen Warenkorb von 800 EUR verzeichnete nach Integration eines Ratenkaufs einen Rückgang der Checkout-Abbrüche um 18 % – bei gleichzeitigem Anstieg des durchschnittlichen Bestellwerts um 12 %. Solche Effekte sind kein Zufall, sondern folgen einer einfachen Logik: Kunden, die einen Kauf in Raten aufteilen können, entscheiden sich häufiger für das teurere Produkt.
Ein Sonderfall: Wenn Ihr Sortiment stark saisonabhängig ist – etwa im DIY-Bereich mit Hochsaison im Frühjahr –, kann ein Ratenkauf-Angebot gezielt in der Hauptsaison, beispielsweise per Aktions-Mailing, aktiviert werden, um Spitzennachfrage in höhere Warenkörbe umzuwandeln. Doch Vorsicht: Nicht jeder Anbieter stellt, wie die TeamBank, den Ratenkauf ohne Grundgebühr bereit.
Die größte Herausforderung bei der Optimierung des Payment-Mix ist nicht die Auswahl, sondern die Integration. Plugin-Kompatibilität, API-Dokumentation und die Abstimmung zwischen PSP (Payment Service Provider), Shopsystem und ERP-System kosten Zeit.
| Phase | Aufgabe | Verantwortlich | Prüfpunkt |
|---|---|---|---|
| Vorbereitung | Plugin-Kompatibilität mit Shopsystem püfen | IT/E-Commerce | Shopware, Magento, Shopify etc. |
| Technische Prüfung | API-Dokumentation anfordern, Sandbox-Umgebung testen | Entwicklung | Testszenarien durchspielen |
| Integration | PSP, Shopsystem und ERP-System abstimmen | IT/Finanzen | Datenaustausch sicherstellen |
| Testing | A/B-Test über mindestens 4 Wochen | E-Commerce/Marketing | KPIs: Conversion, Bestellwert, Retouren |
| Rollout | Zahlungsart produktiv schalten, Monitoring aktivieren | Alle Bereiche | Abbruchraten kontinuierlich überwachen |
Die Integration einer neuen Zahlungsart ist weniger ein einmaliges Projekt als ein abgestimmter Prozess zwischen IT, E-Commerce, Marketing und Finanzen. Entscheidend ist, technische Stabilität früh mit klar messbaren KPIs zu verbinden. Erst im Zusammenspiel aus Testing, Monitoring und Anpassung zeigt sich, ob sich die neue Zahlungsart im Alltag wirklich auszahlt.
Die Marktanteile Payment im BNPL-Segment verteilen sich auf Anbieter mit sehr unterschiedlichen Geschäftsmodellen. Manche BNPL-Anbieter nutzen den Checkout als Einstieg, um Endkunden in eigene Ökosysteme zu ziehen – mit eigener App, eigenem Branding und eigener Kundenkommunikation.
Das kann für Händler bedeuten: Sie finanzieren die Kundenakquise eines Wettbewerbers.
Ein genossenschaftlich verankerter Anbieter wie die TeamBank verfolgt ein anderes Modell.
Stattdessen steht verantwortungsvolle Finanzierung im Zentrum: Überschuldungsprävention ist Teil des Geschäftsmodells, kein Marketingversprechen. Für Händler, die langfristig planen – in Generationen statt bis zum nächsten Exit –, ist das ein relevanter Unterschied.
Dazu kommt die Datenbasis: Aus über einer Million Kundenbeziehungen entstehen Einblicke in Kaufverhalten und Risikostrukturen, die direkt in die Bonitätsprüfung und Conversion-Optimierung einfließen. Das Ergebnis sind belastbare Annahmequoten statt geschönter Benchmarks.
Dieser Report ist der Auftakt einer zweiteiligen Serie. Im zweiten Teil nehmen wir die BNPL-Anbieter im deutschen Markt genauer unter die Lupe – von Kosten und Integration bis hin zu Kundenansprache und Risikoverteilung.
Quellenangaben:
1EHI Retail Institute (2025): Studie: Zahlungssysteme im Einzelhandel 2025. URL: https://www.ehi.org/produkt/studie-zahlungssysteme-im-einzelhandel-2025-pdf/
(Zugriff am 29.04.2026)
2Statista (2024): Bezahlen im stationären Handel in Deutschland 2024. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1538491/umfrage/nutzung-von-zahlungsmoeglichkeiten-im-stationaeren-handel-in-deutschland/ (Zugriff am 29.04.2026).